ENGLERT WERNER   Musician, Composer, Teacher

Saxual Moments 

 

 

Mal leise, mal laut – aber stets filigran

Saxofonist Werner Englert lebt seine Musik und begeistert in der Riegeler Kumedi mit "Saxual Moments".

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  2. Werner Englert Foto: Patrik Müller

RIEGEL. Die Beziehung zwischen einem Musiker und seinem Instrument hat immer auch etwas von einer Ehe. Wenn es schlecht läuft, sind Frau und Fagott, Mann und Mandoline ganz schnell weg vom Fenster (und werden durch jüngere Blas- und Zupfinstrumente ersetzt). Im Idealfall verschmelzen beide fast schon zu einer Einheit, sie ergänzen sich und kriegen nicht genug voneinander. So wie Werner Englert und sein Saxofon – das bewiesen die beiden am Samstagabend eindrucksvoll in der Riegeler Kumedi.

Der Musiker hat vor fünf Jahren eine CD mit dem Titel "Saxual Moments" aufgenommen. Das Wortspiel zeigt: Das Saxofon ist für Englert mehr als ein bloßes Mittel zur Erzeugung von Tönen. "Das liegt am Sound, vielleicht aber auch am Aussehen", sagt er. Auf seiner CD versammelt der Emmendinger Kulturpreisträger mehr als zwei Dutzend Musikstücke und Gedichte, die zwischen den Polen Anziehung und Abstoßung ein weites Feld der Gefühle ausloten. Mal laut, mal leise, mal ekstatisch – aber stets filigran.

Viel ist nicht los an diesem Abend im Riegeler Theater: 15 Musikfans sind gekommen, um Englert und sein Instrument im Zwiegespräch zu sehen. "Es freut mich, dass eine kleine Gemeinde sich versammelt hat", sagt Englert. "Es ist mir jedes Mal ein inneres Vergnügen, diese Geschichte aufführen zu dürfen." Das merkt man. Es gibt Musiker, die einfach nur eine Note nach der anderen vom Blatt spielen. Werner Englert lebt seine Musik, mit konzentriertem Blick und wippendem Fuß steht er auf der Bühne.


Es ist tatsächlich eine Geschichte, die er erzählt. Sie beginnt zärtlich und tastend, man lernt sich kennen, man will mehr voneinander wissen. In "Saxual Moments" begleitet Englert die Protagonisten von der ersten Begegnung bis ins Bett – hauchzarte Gefühle treffen auf handfeste körperliche Ekstase in dieser Oper für ein Saxofon. Mal schichtet Engler ruhige Passagen aufeinander wie ein Kartenhaus, mal spielt er seine Zuhörer einfach nur in guter alter Solistentradition schwindlig.

Englert spielt die CD an diesem Abend eins zu eins nach. Was auf Konzerten eher unüblich ist, ergibt hier aber Sinn – die 13 Stücke müssen schließlich in ihrem Kontext verstanden werden. Da sie über mehrere Jahre zu verschiedenen Anlässen geschrieben wurden, geht ein wenig die inhaltliche Geschlossenheit ab. Das lässt "Saxual Moments" manchmal wie eine Best-Of-Platte wirken.

Die erzählerische Lücke zwischen den Stücken versucht Englert mit Gedichten zu schließen. Die sind teilweise von ihm selbst verfasst und werden auf Englisch von einer weiblichen Stimme aus dem Off vorgetragen, die in prägnanten Worten und glasklarer Aussprache emotionale Bilder hervorruft und so Verbindung zwischen den einzelnen Songs schafft. "Saxual Moments" ist weder als CD noch als Abendprogramm einfache Kost. Englert fordert seinem Publikum Aufmerksamkeit ab – so wie jeder Geschichtenerzähler. Und beweist, dass auch musikalische Liebesgeschichten nicht immer seicht sein müssen.  

Autor: Patrik Müller

 

 

 

------------------------------------------------------------------------ Badische Zeitung vom Donnerstag, 16. Februar 2006 

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Der Saxofonist und seine großen Gefühle 

Am Freitag präsentiert Werner Englert seine neue Solo-CD im Emmendinger SchlosskellerWerner Englert und sein Saxophon. (FOTO: PR)EMMENDINGEN. Das Wortspiel von Sax und Sex, mit dem Werner Englert auf dem Titel seiner neuesten CD kokettiert, ist nicht gerade originell. Denn nicht zum ersten Mal greifen Saxofonisten auf dieses analoge Klangbild zurück, doch bei Werner Englert geht es um mehr. So wie Sexualität die weite Spannweite von Zärtlichkeit bis zum explosionsartigen körperlichen Lust umfasst, durchstreift er mit seinem Saxofonspiel ein mindestens ebenso weites Feld der Emotionen.

Saxual Moments” erzählt eine Liebesgeschichte — von der ersten Begegnung bis zum vollkommenen Glück, ja darüber hinaus bis hin zur Vorfreude auf das nächste Treffen. Oder sogar etwa schon auf ein neues Glück? Vom ersten Sehen, Herantasten, zärtlichen Verschmelzen, Zweifeln, Schwindel erregendem Glück und Ekstase: Kaum eine Gefühlsregung, keine Stimmung entgeht Englert beim Blick auf liebendes Leben.

Konzentriert reflektiert der in Windenreute lebende Vollblutmusiker Werner Englert diese Gefühlswelt mit einem auf sich und sein Instrument reduzierten, puren, reinen Charakter, Irrungen und Wirrungen dabei nicht auslassend. 13 Shorttracks, entstanden zwischen 2000 und 2005, hat der Emmendinger Kulturpreisträger zusammengetragen. Mit seinem Saxofon entwirft er musikalische Parallelen zur Themen stiftenden Welt der Gefühle, die fast schon emotionalen Identifikationen gleichkommen. Mit Tönen von derartiger Klarheit und Spannweite lassen sich Gefühle kaum reiner ausdrücken.

Durch die CD geleiten kurze Texte, verfasst von Englert selbst, von Lisa Störkmann oder teils gemeinsam geschrieben. Immer aber sind sie mit ausgesprochener Klarheit vorgetragen. Klarheit, die keineswegs kalt wirkt, sondern vielmehr einen Fokus auf das Eigentliche und Wesentliche bildet.

Wer “Saxual Moments” hört, erhält eine Ahnung vom Musiker und Menschen Werner Englert. Das Spiel zwischen Text und Musik erweist sich als ein sehr ehrliches Zeugnis eines großen Musikers, der alle Stücke selbst komponiert hat: Eine musikalische Entdeckungsreise: Englert Instrumentaljazz beweist seinen freien Geist.

Markus Zimmermann-Dürkop

 

 

 

Sie hatten die Zuhörer in der Güterhalle in Bleibach in ihren Bann gezogen: Werner Englert und sein Saxophon. FOTO: GERDA OSWALD

 

------------------------------------------------------------------------ Badische Zeitung vom Mittwoch, 21. September 2005 

 

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Köstlicher Wahnsinn 

Saxophonist Werner Englert in der Güterhalle in Bleibach

Von unserer Mitarbeiterin

Gerda Oswald

Das Abschlusskonzert zur Jubiläumswoche „Zehn Jahre Kleinkunst in der Güterhalle“ Bleibach liefertenWerner Englert und sein Saxophon. „Bei uns haben Sie die richtige Wahl getroffen“, versicherte Horst Bock vom Veranstalter, nachdem zuvor im Fernsehen die schwierigen politischen Verhältnisse nach der Bundestagswahl verkündet wurden. Und er behielt Recht: Denn da verstanden es zwei, die später eins waren, die vielen Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Dieser Bann hieß Leben, Lieben, Leidenschaft.

SAXual Moments“ sind die Beziehungsweisen zwischen einem Mann und seinem Saxophon. Die kurzen, englisch gesprochenen Ansagen von Lisa Störkmann intensivieren die Dichte der einzelnen Stücke und helfen beim schnelleren Verstehen. Natürlich spiegelt sich darin auch die Erotik, die Liebe zwischen zwei Menschen wieder. Der tiefe, starke Ton gefällt dem Musiker, weckt sein Interesse. Hände berühren, nehmen Kontakt auf. Kleine Zweifel entstehen: Will ich wirklich? Das Saxophon zögert, wackelt, will es sich noch einmal überlegen. Doch dann bricht die Entscheidung aus dem Inneren heraus wie ein Vulkan. Es gibt in der Güterhalle keine Distanz mehr zwischen Zuhörern und Musiker. Das Klappen der Ventile, Luft holen und die Anspannung ist hör- und spürbar. Das Saxophon sagt ein klares „ja“ zu der neuen Beziehung. Die beiden tanzen im Sommerwind und es schmeckt nach Glücklich sein. Das Sopransaxophon zaubert unwahrscheinliche Töne hervor, die sich wie das Schlagen von Bongos anhören.

Schreien, Lachen, verrückt vor Glück? Erotisch in den höchsten Tönen, ohne je schrill zu werden. Da harmonieren zwei Töne, hallen nach. Sie sind nicht gleich, doch sie schwingen gleich. Es ist Spaß an der Freude, die sich ungestüm und ungezügelt ihre Bahn bricht. Das Saxophon spielt sich atemlos, schwindelig, explodiert. Es folgt eine ruhige, abgeklärte Phase voll Dankbarkeit: „I feel the sound inside“. Es folgt ein Tag mit stiller Zufriedenheit mit sich und dem Saxophon. Alles scheint gut und lebenswert zu sein mit einer stillen Heiterkeit. Eingehüllt in wohlige Töne, wärmende Tonfolgen.

Später werden kurze Momente der Angst aufkommen. Angst, dieses Glück wieder zu verlieren. Doch mit brodelnder Leidenschaft kommt das Saxophon zurück. Unterschwellig kochen die Töne wie heißes Blut und Schweißperlen, tropfen kühlere Töne dazwischen. Warum kommt das Sax so menschlich und verständlich daher? Die Zuhörer sind in seinem Bann: „Im freien Flug aus dem Fenster schweben. Zur Mitte des köstlichen Wahnsinns gelangen. Wo der nahe Geruch des Glücks mich schwindlig macht“. Hüpfend, beschwingt und voller Lebensfreude kündigt das Tenorsaxophon die Vorfreude auf das nächste Spiel an. Werner Englert hat die gesamte Güterhalle mit seinem Saxophon verführt.

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Sie hatten die Zuhörer in der Güterhalle in Bleibach in ihren Bann gezogen: Werner Englert und sein Saxophon. FOTO: GERDA OSWALD

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Köstlicher Wahnsinn 

Saxophonist Werner Englert in der Güterhalle in Bleibach

Von unserer Mitarbeiterin

Gerda Oswald

Sie hatten die Zuhörer in der Güterhalle in Bleibach in ihren Bann gezogen: Werner Englert und sei ...mehrGUTACH. Das Abschlusskonzert zur Jubiläumswoche „Zehn Jahre Kleinkunst in der Güterhalle“ Bleibach liefertenWerner Englert und sein Saxophon. „Bei uns haben Sie die richtige Wahl getroffen“, versicherte Horst Bock vom Veranstalter, nachdem zuvor im Fernsehen die schwierigen politischen Verhältnisse nach der Bundestagswahl verkündet wurden. Und er behielt Recht: Denn da verstanden es zwei, die später eins waren, die vielen Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Dieser Bann hieß Leben, Lieben, Leidenschaft.

SAXual Moments“ sind die Beziehungsweisen zwischen einem Mann und seinem Saxophon. Die kurzen, englisch gesprochenen Ansagen von Lisa Störkmann intensivieren die Dichte der einzelnen Stücke und helfen beim schnelleren Verstehen. Natürlich spiegelt sich darin auch die Erotik, die Liebe zwischen zwei Menschen wieder. Der tiefe, starke Ton gefällt dem Musiker, weckt sein Interesse. Hände berühren, nehmen Kontakt auf. Kleine Zweifel entstehen: Will ich wirklich? Das Saxophon zögert, wackelt, will es sich noch einmal überlegen. Doch dann bricht die Entscheidung aus dem Inneren heraus wie ein Vulkan. Es gibt in der Güterhalle keine Distanz mehr zwischen Zuhörern und Musiker. Das Klappen der Ventile, Luft holen und die Anspannung ist hör- und spürbar. Das Saxophon sagt ein klares „ja“ zu der neuen Beziehung. Die beiden tanzen im Sommerwind und es schmeckt nach Glücklich sein. Das Sopransaxophon zaubert unwahrscheinliche Töne hervor, die sich wie das Schlagen von Bongos anhören.

Schreien, Lachen, verrückt vor Glück? Erotisch in den höchsten Tönen, ohne je schrill zu werden. Da harmonieren zwei Töne, hallen nach. Sie sind nicht gleich, doch sie schwingen gleich. Es ist Spaß an der Freude, die sich ungestüm und ungezügelt ihre Bahn bricht. Das Saxophon spielt sich atemlos, schwindelig, explodiert. Es folgt eine ruhige, abgeklärte Phase voll Dankbarkeit: „I feel the sound inside“. Es folgt ein Tag mit stiller Zufriedenheit mit sich und dem Saxophon. Alles scheint gut und lebenswert zu sein mit einer stillen Heiterkeit. Eingehüllt in wohlige Töne, wärmende Tonfolgen.

Später werden kurze Momente der Angst aufkommen. Angst, dieses Glück wieder zu verlieren. Doch mit brodelnder Leidenschaft kommt das Saxophon zurück. Unterschwellig kochen die Töne wie heißes Blut und Schweißperlen, tropfen kühlere Töne dazwischen. Warum kommt das Sax so menschlich und verständlich daher? Die Zuhörer sind in seinem Bann: „Im freien Flug aus dem Fenster schweben. Zur Mitte des köstlichen Wahnsinns gelangen. Wo der nahe Geruch des Glücks mich schwindlig macht“. Hüpfend, beschwingt und voller Lebensfreude kündigt das Tenorsaxophon die Vorfreude auf das nächste Spiel an. Werner Englert hat die gesamte Güterhalle mit seinem Saxophon verführt.

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